Adventsspiel in Klingelbach

 

Lesesspiel für den Advent und Weihnachten in der Klingelbacher Kirche „Ich bin ein Gast gewesen“

Endlich konnte wieder eine adventlich-weihnachtliche Aufführung in der Klingelbacher Kirche stattfinden.

Eröffnet wurde diese mit „Prelude in C Major“ von Johann Sebastian Bach. An der Orgel spielte der 13-jährige Philipp Ameiser. Er verzauberte mit seinem Spiel die Zuhörer derart, dass der erste Applaus sofort nach seinem Spielende einsetzte.
Nach der Einleitung von Kirchenvorstandsvorsitzende Gabi Schmidt begann das Lesespiel, geschrieben von Rudolf Otto Wiemer nach einer Erzählung von Leo Tolstoi.
Das Stück spielt um die Jahrhundertwende unter einfachen russischen Menschen, die mühsam in einfacher Frömmigkeit leben und die Worte der Bibel meist wörtlich nehmen und auslegen. Verzweifelt sucht der Schuster Martin, der Frau und Söhne verloren hat, nach dem Sinn im Glauben an Gott und den Nutzen für sein Leben. Angestoßen durch einen alten Freund, beginnt er wieder in der Bibel zu lesen. Er glaubt die Stimme Gottes zu hören, die zu ihm sagt: „Schau morgen auf die Straße. Ich werde zu dir kommen“. Am nächsten Morgen rappelt er sich auf, bereitet Tee und Suppe, beginnt wieder zu arbeiten und wartet darauf, dass Gott ihn besucht. Es kommt ein Soldatenveteran, der Schnee schippt. Ihn lädt er zu heißem Tee ein. Eine junge, frierende Soldatenfrau mit einem Baby, das schon fast erfroren ist, lädt er ein sich aufzuwärmen und schenkt ihr seine alte warme Jacke, damit sie ihr Kind und sich schützen kann. Einem alten Hökerweib, dem ein Bengel einen Apfel klauen wollte, macht er deutlich, dass dieser nur aus purem Hunger gehandelt hat. Sein kranker Vater kann ihn nicht versorgen und er hat auch keine liebevolle Großmutter, wie sie eine ist, die gleich wieder zu ihren geliebten Enkeln in die warme Stube geht. Aber auch dem Jungen macht er klar, dass er trotz aller Not nicht stehlen darf und sich besser entschuldigen soll. So hilft er danach der alten Frau beim Tragen ihrer Sachen auf dem weiteren gemeinsamen Heimweg.
Am Abend, nachdem er vergeblich den ganzen Tag auf Gottes Besuch gewartet hat und schon wieder von Zweifeln geplagt wird, hört er die Stimme erneut. Sie erklärt ihm, dass Gott mehrmals tagsüber bei ihm war und er ihn versorgt hatte, wie ihm die Worte geheißen haben.
Das Stück endet mit den Worten, die der Schuster Martin in der Bibel liest: „Was ihr getan habt einem diesem unter meinen Brüdern, dass habt ihr mir getan“.

Die bewusst reduzierte Inszenierung, die vollkommen auf theatralische Aktionen verzichtete, wurde von der jungen Teamergruppe wunderbar in Worten gelesen, die den Sinn des Stückes eindrucksvoll dem Publikum nahebrachten. Die minimierte Beleuchtung, die nur die sprechenden Personen ins richtige Licht setzte, unterstrich die Wichtigkeit der Worte.
Von dieser Art der Aufführung wurde das Publikum wohl auch besonders berührt. Dies wurde durch den anhaltenden Applaus klar. Besinnlich abgerundet wurde das Lesespiel mit einer Psalmlesung des Teamers Romero Hocke, dem gemeinsamen Gebet des Vater Unsers und der Erteilung des Segens durch Lektor Max Fischer, ebenfalls Teamer in unserer Kirchengemeinde, vorbereitet durch Carolin Richter. Zur Freude aller Anwesenden erklang die Orgel erneut durch den wieder fabelhaft spielenden Philipp Ameiser, der die Aufführung mit dem Türkischer Marsch von Wolfgang Amadeus Mozart beschwingt abschloss.

Die Abschiedsworte der Besucher:innen beim Verlassen der Kirche drückten nochmal aus, wie sehr der Sinn des Stücks angekommen ist. Es gab nicht nur von allen lobende, sondern auch viele dankende Worte. Diese gesamte Darbietung hätte eine volle Kirche verdient, was aufgrund der momentanen Situation leider nicht möglich war.

Astrid Vent