Sterben und Tod

Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir ein weises Herz bekommen!  (aus Psalm 90)

Sie haben einen lieben Menschen verloren oder wollen sich einfach informieren, was rund um das Sterben und die Bestattung zu bedenken ist?

Pfarrerin Dr. Anneke Peereboom gibt ganz konkret für unsere Evangelische Kirchengemeinde Klingelbach (regionale Unterschiede sind möglich):

Praktische Hinweise für den Trauerfall

Der Abschied von einem geliebten Menschen fällt schwer und ist schmerzvoll. Ihre Ev. Kirchengemeinde Klingelbach macht daher mehrere Angebote, um Sie und Ihre Angehörigen durch diese schwierige Zeit zu begleiten. Im Folgenden finden Sie einen kleinen Überblick

1. Die Sterbebegleitung 

Nicht selten erfahre ich als Pfarrerin vom Sterben eines Menschen erst, wenn es schon „zu spät“ ist, nämlich wenn mich der Bestatter informiert und einen Termin für die Trauerfeier vereinbaren will. Bei rund 2700 Gemeindemitgliedern wie bei uns ist es leider unmöglich, das Schicksal und Wohlergehen jedes Einzelnen immer von sich aus auf dem Schirm zu haben. Deswegen: Bitte zögern Sie nicht, mir einen Hinweis zu geben, wenn eines Ihrer Familienmitglieder oder einer Ihrer Freunde im Sterben liegt und sich möglicherweise eine Begleitung wünscht. Ich bin darauf jederzeit ansprechbar! Und die Erfahrung zeigt: So eine Sterbebegleitung ist für alle Beteiligten eine gute und wertvoll verbrachte Zeit. Im Gespräch Sinnfragen nachspüren, beten oder auch gemeinsam mit Gott hadern; zusammen noch einmal das Abendmahl feiern, vielleicht ein altbekanntes Lied singen, vielleicht auch einfach nur gemeinsam Schweigen oder all das zusammen – das tut meist den Sterbenden wie auch den Angehörigen gut. Und mir als Pfarrerin ermöglicht es, schon viel früher und viel intensiver seelsorgerlich auf die Menschen, die mir anvertraut sind, einzugehen.

2. Die Aussegnung

Bei vielen zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist der alte Brauch, einen sterbenden       oder kürzlich verstorbenen Menschen auszusegnen – ihn also an der Schwelle zwischen Leben und Tod noch einmal bewusst Gottes Segen anzuvertrauen, der      darüber hinausreicht. Meist holen wir das heute im Rahmen der Trauerfeier am    geschlossenen Sarg bzw. an der Urne nach – doch dann liegen oft schon viele Tage        zwischen dem Sterben eines Menschen und dem Segen. Für mich macht es einen            Unterschied, einen Sterbenden oder auch kürzlich Verstorbenen mit meinen Händen          segnend berühren und ansehen zu können – oft genug habe ich das unbestimmte             Gefühl, dass derjenige da in gewisser Weise noch anwesend ist. Ein Gefühl dass sich     verliert, je länger der Todeszeitpunkt zurückliegt.  

 3. Die Trauerfeier

Die kirchliche Trauerfeier wird als einziger der hier von mir aufgeführten Punkte noch in der ganz großen Mehrzahl der Fälle von unseren Gemeindegliedern gewünscht – mitunter sogar von Menschen, die der Kirche nicht angehörten. Sie wird in einem ausführlichen Trauergespräch einige Tage vor der Trauerfeier gemeinsam besprochen. In der Regel wird deutlich, dass die Musik und die Gebete, das gemeinsame Erinnern im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis und die wohlgesetzte traditionellen Dramaturgie einer solchen Trauerfeier einem Trauernden beim Loslassen wertvolle Hilfestellung leisten können. Ganz persönlich bin ich jedes Mal, wenn ich vor einem offenen Grab stehe, aus tiefstem Herzen dankbar, dass ich auch hier noch eine frohe und weitertragende Botschaft zu verkündigen habe: „Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt...“ Ohne diesen Glauben würden mir persönlich bei manchem Schicksal die Worte fehlen.

4. Die seelsorgerliche Begleitung

Die seelsorgerliche Begleitung der Hinterbliebenen muss nicht mit der Trauerfeier zu Ende sein – denn die Trauer ist es in aller Regel auch nicht. Oft gibt es noch nach Monaten Gesprächsbedarf – nämlich genau dann, wenn das Umfeld wieder zur Normalität übergeht und man selbst sich in seiner Trauer noch gar nicht dafür bereit sieht. Dann stellt sich oft ein Gefühl tiefer Leere ein – für nicht wenige Menschen ein Anlass, noch einmal zum Telefonhörer zu greifen und mich um ein Folgegespräch zu bitten. Mitunter erwächst daraus ein intensiver Kontakt – auf Zeit. Aber dadurch nicht weniger segensreich.

An dieser Stelle weisen wir Sie außerdem noch auf einen interessanten Link hin: Das beste kirchliche Angebot im Internet für alle Menschen, die trauern, finden Sie unter www.trauernetz.de. Getragen von einigen großen evangelischen Landeskirche bietet es Trauernden die Chance, sich ü̈ber die eigenen Gefü̈hle und Empfindungen mehr Klarheit zu verschaffen.

Eigene Trauergruppen vor Ort treffen sich ebenfalls regelmäßig an wechselnden Orten in unserer Region und bieten die Möglichkeit des Austausches mit anderen Betroffenen. Wenn Sie daran Interesse haben, kontaktieren Sie mich bitte.

5. Besondere Gottesdienste

In allen Religionen nimmt das Totengedenken einen wichtigen Platz ein. Weil die Reformatoren den katholischen Seelenkult ablehnten, schafften sie jedoch das Allerseelenfest am 2. November ab. Statt dessen wurde für die evangelischen Kirchen im Jahr 1816 durch den König Friedrich Wilhelm III. von Preußen der letzte Sonntag vor dem 1. Advent als verbindlicher Gedenktag für die Verstorbenen festgelegt. An diesem sogenannten „Ewigkeitssonntag“ (früher „Totensonntag“) besuchen Menschen die Friedhöfe und schmücken die Gräber ihrer Angehörigen. Die Verstorbenen des ausgehenden Kirchenjahres werden namentlich im Gottesdienst genannt und zusammen mit ihren Angehörigen in das Fürbittengebet aufgenommen. Auch in unseren normalen Sonntagsgottesdiensten haben wir es uns zur guten Gewohnheit gemacht, ein Gebet für ein kürzlich verstorbenes Gemeindemitglied und dessen Angehörige zu sprechen. Dafür wird eine Kerze entzündet.

Wie nehme ich im Bedarfsfall Kontakt auf?
Am schnellsten geht es, wenn Sie mich im Pfarrbüro unter der 06486-911754 kontaktieren und ggf. eine Nachricht auf Band hinterlassen. Für Notfälle wird dort auch meine Mobilnummer bekannt gegeben. Auch meine emails an a.peereboom@kirche-klingelbach.de checke ich in aller Regel täglich.

Quellen, auch zum Weiterlesen empfohlen:

Bayerischer Rundfunk; Themenreihe: Leben mit der Trauer; www.br.de (Stand 21.06.2016).
Bonnano, George A.: Die andere Seite der Trauer. Verlustschmerz und Trauma aus eigener Kraft überwinden. Bielefeld 2012.
Kast, Verena: Trauern – Phasen und Chancen des psychischen Prozesses. Zürich 1982.
Rinder, Nicole/Rauch, Florian: Das letzte Fest. Neue Wege und heilsame Rituale in der Zeit der Trauer. München 2012.
Sörries, Reiner: Herzliches Beileid. Eine Kulturgeschichte der Trauer. Darmstadt 2012.
Von Weizäcker, Beatrice: Ist da jemand? Gott und meine Zweifel. München 2012. 
Und natürlich: Die Bibel