Posaunenchor

Unsere Kirchenmusik hat vier Standbeine.

Eines davon ist der traditionsreiche Posaunenchor der Kirchengemeinde Klingelbach, der seit nunmehr 85 Jahren die Gottesdienste und das Gemeindeleben mit seinen Klängen bereichert.

Fotoalbum:
Abendmusik des Posaunenchores und anderen 17.09.2011

„Ein feste Burg ist unser Gott“
90 Jahre Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde Klingelbach

Am Samstag, dem 5. November 2016,  feierte die Evangelische Kirchengemeinde Klingelbach in einem musikalischen Festgottesdienst das 90-jährige Bestehen ihres Posaunenchores.

Posaunenchor, Organisten, Chor „Cantemus“, Blockflötenensemble „Flötentöne“ und die mitsingende Gemeinde gestalteten gemeinsam in musikalisch vielfältiger Weise den Abendgottesdienst, der von Pfarrerin Dr. Peereboom liturgisch begleitet wurde.


Foto rechts: Posaunenchor 1926


Propst Oliver Albrecht, Wiesbaden, hielt die Festpredigt zum Thema „Reformation“. Der Posaunenchor Klingelbach, an diesem Tag verstärkt durch ehemalige Mitbläser und langjährige Weggefährten, umrahmte die Predigt mit einer Komposition für 4 Trompeten, 3 Posaunen, Kontrabass und Schlagwerk  über das Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Foto links: Posaunenchor 1986

Alle Festredner stellten die Besonderheit dieses 90-jährigen Jubiläums heraus, gratulierten herzlich und wünschten alles Gute für die Zukunft.
Nach dem Gottesdienst waren Mitwirkende und Gemeinde eingeladen zu Gesprächen in der Kirche zu verweilen und sich bei einem kleinen Imbiss zu stärken.

Foto rechts: Posaunenchor 2016

von links nach rechts:
Christoph Keiling (Bass), Anke Scheurer (Alt),
Sylvia Schmittel (Alt), Jürgen Müller (Tenor),
Hans-Jörg Justi (Tenor), Eva-Maria Müller (Sopran)

Eine ausführliche Dokumentation der Geschichte des Klingelbacher Posaunenchores können Sie hier anschauen oder ausdrucken

Weitere Fotos gibt es hier

90 Jahre Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde Klingelbach

Der Gesang der Gläubigen ist ein wesentliches Element christlicher Gottesdienste, verstärkt und ergänzt durch Orgelmusik und Chorgesang. Blas- und Streichinstrumente kommen bei besonders festlichen Anlässen dazu. Das ist bei allen christlichen Kirchen Brauch seit Jahrhunderten bis heute.

Posaunenchöre entstanden im Zusammenhang mit der Erweckungsbewegung des frühen 19. Jahrhunderts. Sie sind reine Laienblechbläsergruppen ohne Holzbläser und Schlagwerk, und ihre Beteiligung an Gottesdiensten und zur Begleitung des Gemeindegesanges ist eine Besonderheit der evangelischen Kirchen des deutschsprachigen Raumes. Seit den ersten restaurativen Anfängen, als die junge Posaunenchorbewegung mit ihren Horninstrumenten die menschliche Stimme durch Blasweise und verwendete Chorliteratur nachahmen wollte, hat sich jedoch viel verändert. Das betrifft sowohl die heute verwendeten Instrumente, die hörbar weiterentwickelte Blastechnik als auch die Literatur. Bei der choralgebundenen Musik handelt es sich heute in der Regel um Originalkompositionen für Posaunenchöre.

Im Jahr 1926 gründete Pfarrer Künkel den Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde Klingelbach. Von den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges abgesehen versieht der Posaunenchor seitdem ununterbrochen seinen kirchenmusikalischen Dienst in der Gemeinde.

Herzlichen Dank an Wolfgang Müller, der mit den folgenden Fotos und seinen persönlichen Erinnerungen einen ganz besonderen Blick auf die Geschichte des Posaunenchors ermöglicht.

Künkel, Walter (1895-1973)
Im Jahr 1926 gründete Pfarrer Künkel den Posaunenchor der Ev. Kirchengemeinde Klingelbach.

Posaunenchor 1950 in Schönborn
Ein Gastauftritt in Schönborn (Pfarrer Künkel im Hintergrund), vorn von links Wilhelm Strack, Heinrich Lenz, Wolfgang Künkel, Karl Bornwasser, Kurt Echternach, NN, Hans Künkel, Richard Müller, Walter Balzer u.a.

Posaunenchor 1952 (Ostern Blasen oberhalb vom Elisabethstift)
...mit folgenden Bläsern: Heinrich Lenz, Heinz Holy, Kurt Echternach, Hermann Neeb, Christoph Nicolai, Wilhelm Strack, Richard Müller, Gerhard Pfeifer, Heinrich Fischer, Ernst Seelbach, Karl Bornwasser u.a.

Posaunenchor Weihnachten 1952
Es war die "festlichste Vorfreude" des Posaunenchores, dass er die Weihnachtsbäume aufstellen und schmücken durfte ... alle Jahre wieder ... mit Wachskerzen, entzündet unter Mithilfe von langen Kerzenstangen, von unten und oben, von der Kanzel, und ab und zu begannen die Lichter zu flackern und tropfen bis auf die Noten und Instrumente; gelöscht wurde stets mit einem kräftig feuchten Feudel..

Posaunenchor Weihnachten 1952 - Klingelbacher Weihnachtskrippe (Vorläufer)
Die legendäre Transparent-Weihnachtskrippe. Ein Vorläufer unser heutigen Weihnachtskrippe

Posaunenchor 1960 zu Gast in Groß-Felda
Mit den Bläsern ... von links: Richard Müller, Karl Satony, Bernhard Thiem Christoph Nicolai, Bernhard Meyer und im Vordergrund Pfarrer Walter Künkel.

Posaunenchor 1960 zu Gast in Groß-Felda
Mit den Bläsern ... von links: Karl Müller, NN, Dieter Bauer, Wolfgang Müller, Wilfried Fiebig, Gerhard Müller, Günter Wöll, NN, Walter Müller.



Posaunenchor 1962 (Goldene Hochzeit in Klingelbach)
Goldene Hochzeit in Klingelbach, Rathausstraße: Dirigent Pfarrer Künkel, die mitwirkenden Bläser von rechts: Richard Müller, Gerhard Müller, Kurt Echternach, Arnold Müller, Karl Satony, Wolfgang Müller, Bernhard Meyer, Karl Müller, Christoph Nicolai, Heinrich Lenz.

Posaunenchor 1972
Probe in der Kirche mit folgenden Bläsern (von links): Ulrich Müller, Heinrich Lenz, Klaus-Dieter Zorn, Karl Müller, Günter Wöll, Dieter Satony, Arnold Müller, Willi Biehl, Erwin Weber, Hermann Neeb

Posaunenchor 1981
im Vordergrund mit dem Dirigenten Karl Lenz
(Auftritt bei einer Goldenen Hochzeit im Januar 1981)

Posaunenchor 2016 (90-jähriges Jubiläum)
Bernhard Thiem (80 Jahre)geboren in Klingelbach, heute in Fachingen, kam zusammen mit seiner Frau zum Jubiläum direkt aus der Kur über die Autobahn, wechselte die Noten-Krawatte und war sehr bewegt über diesen musikalischen Abend. In zehn Jahren möchte er wieder eingeladen werden.

 


Der Posaunenchor Klingelbach heute – wer wir sind und was wir tun

Wir sind: ... derzeit 3 Bläserinnen und 3 Bläsern im aktiven Chor. Musikalisch sind wir wie ein gemischter Chor strukturiert, und in dieser Reihenfolge stellen wir uns in jeweils eigenen Worten vor.

Eva-Maria Müller, Sopran aus Zollhaus, 53, zunächst Flügelhorn, dann Trompete im heimatlichen Posaunenchor in Usenborn (Oberhessen), im Posaunenchor Klingelbach nach Mutterschaftspause seit 1998. „Ich mache im Posaunenchor mit, weil ich Freude am Musizieren habe, es geistig anregt, neue Notentexte zu erlernen und musikalisch umzusetzen, ich Gottesdienste intensiver miterlebe, wenn ich an der Gestaltung zumindest musikalisch mitarbeiten darf; mir die Zusammenarbeit mit den anderen BläserInnen im Posaunenchor und die anschließenden „Gesprächsrunden“, mit allen Ecken und Kanten, Freude bereiten.“

Sylvia Schmittel, Alt aus Katzenelnbogen, 46, Trompete seit Eintritt in den Chor im Jahr 1975. „Ich mache im Posaunenchor mit, weil mir das Trompeten einfach Freude macht, ich die Geselligkeit und die Gespräche nach der Probe genieße und ich immer wieder erstaunt bin, welche Musik wir als Chor entstehen lassen können.“  

Anke Scheurer, Alt aus Kördorf, 47, Trompete seit 1995, im Posaunenchor seit September 2010. „Ich mache im Posaunenchor mit, weil es Spaß macht, in einer Gruppe gemeinsam zu musizieren, mir die Musikauswahl gefällt und wir nach den Proben immer in netter Runde zusammensitzen.“

Hans-Jörg Justi, Tenor aus Klingelbach, 46, zuerst Tenorhorn, dann Posaune, im Chor seit 1975. „Ich blase im Posaunenchor mit, weil es mir Spaß macht, Musik zu machen, die nicht ständig im Radio zu hören ist, und damit den Zuhörern eine Freude zu bereiten. Die Geselligkeit mit Gleichgesinnten ist natürlich auch sehr wichtig.“

Jürgen Müller, Tenor aus Zollhaus, 55, seit 1971 Ventil-, dann Zugposaune im heimatlichen Posaunenchor Bindsachsen (Oberhessen), im Posaunenchor Klingelbach seit 1983. „Ich mache im Posaunenchor mit, weil ich Freude an der musikalischen Mitgestaltung von Gottesdiensten habe, mich der blitzblanke Klang von purem Blech im Innersten berührt, die Literatur der Posaunenchöre auf meine begrenzten blastechnischen Fähigkeiten Rücksicht nimmt und mich trotzdem immer wieder mit gehaltvoller Musik fordert. Außerdem freue ich mich, wenn es uns wieder einmal gemeinsam gelungen ist, eine weitere musikalische Nuss zu knacken. Mit all dem untrennbar verbunden sind die Nachbesprechungen der Proben.“

Christoph Keiling, Bass aus Mittelfischbach, 54, bläst Posaune seit seinem Eintritt in den Chor im Jahr 1981. „Ich mache im Posaunenchor mit, weil ich grundsätzlich gerne Musik mache, das gemeinsame Musizieren Spaß macht, es für Blechbläser vielfältige Literatur gibt, man immer wieder Neues dazu lernt und die Geselligkeit nicht zu kurz kommt.“

Unsere überwiegende Tätigkeit besteht in der musikalischen Mitwirkung bei Gottesdiensten der Kirchengemeinde Klingelbach, ab und zu auch außerhalb. Wir beteiligen uns an Kirchenmusiken auf Dekanatsebene, entweder allein oder zusammen mit den benachbarten Posaunenchören Freiendiez, Heistenbach und Oberneisen, und Kirchenmusiken anderer Veranstalter. Ein jährlich wiederkehrender Termin ist die musikalische Umrahmung der Gedenkstunde am Volkstrauertag. In unseren Gottesdiensten blasen wir zum Eingang oder Ausgang und begleiten den Gemeindegesang, in der Regel allein. Wir bemühen uns immer, hierbei eine gewisse Abwechslung walten zu lassen. Sie sehen uns dann mit mehreren Büchern jonglieren. Ab und zu wechseln wir uns dabei auch mit der Orgel ab, was in Klingelbach wegen der Eigenart des historisch wertvolles Instruments in historischer Stimmung immer mit Aufwand an Noten-Schreibarbeit verbunden ist, den wir aber gerne auf uns nehmen. Auch mit Cantemus gab es schon gelungenes Zusammenwirken.

Bei all dem sehen wir uns verpflichtet, die vorgegebenen Töne zur rechten Zeit, in richtiger Höhe und nicht allzugroßer Lautstärke zu treffen, wobei natürlich eine gewisse Klangentfaltung schon zu den Blechbläsern gehört. In den allermeisten Fällen gelingt uns das. Wir arbeiten andauernd an diesem Ziel.

Herzliche Einladung zum Mitblasen

Wenn das Lesen dieser Zeilen Ihr Interesse am Erlernen von Trompete oder Posaune geweckt hat und Sie folgende Voraussetzungen mitbringen - positve Einstellung zur Mitarbeit im Gottesdienst - musikalisches Gehör - gesunde zweite oder festsitzende dritte Zähne - Zeit, um zu Hause zu üben sind Sie herzlich eingeladen, bei uns mitzuwirken. Instrumente sind vorhanden, Notenkenntnisse werden nicht vorausgesetzt.

Zweierlei soll nicht verschwiegen werden: Vor dem ersten Mitblasen ist die Anfängerausbildung zu duchlaufen mit dem Ziel, die handwerklich sichere Handhabung des Blas“werkzeugs“ zu lernen. Neue MitbläserInnen sollen in die Lage versetzt werden, einen Choral nach dreimaligem Durchblasen sicher mitblasen zu können. Abhängig vom häuslichen Übeaufwand, den man als Anfänger betreiben kann, kann das schon einige Zeit dauern.


Die Aussage des Erweckungspredigers Volkening aus der Anfangszeit der Posaunenchöre: „Egal ob f oder fis, Hauptsache ist, dass geblasen wurde!“ hat heute, wo man freiwillig oder unfreiwillig, bei einem Konzert oder beim Einkaufen, von perfekt dargebotener Musik umgeben ist, keinen Bestand mehr. Beim Blasen zum Lob Gottes ist „gut gemeint“ zu wenig, es muss schon „gut gemacht“ sein. Wer Lust zum Mitmachen oder auch, nach Anmeldung, zu einem vorherigen Besuch unserer „Bläserwerkstatt“ (Probe) hat, meldet sich bitte bei Chorleiter Jürgen Müller, Telefon:  06430 / 927 270.