Geschichte unserer Krippe

Weihnachts-krippe 2016 Weihnachts-krippe 2015 Herberge und Frieden 2014 Weihnoochds-zeit 2011 - 2013 Wieder Advent 2010 Der Anfang 2007 - 2009


Weihnachtskrippe 2016

Weihnachten 2016 an der Krippe
Gottes Sehnsucht: der Mensch – für mich: ein Fest der Hoffnung

Wie kein anderes  Fest im Kirchenjahr spricht  Weihnachten unser Herz an. So ist denn auch das stimmungsvolle Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ für viele zum Inbegriff für dieses Fest, ja fast zum Synonym für Weihnachten geworden. Seine leise Sprache und seine schlichten Bilder öffnen unser Herz und lassen die verborgenen Erwartungen und stillen Hoffnungen in uns wach werden. All dem dürfen wir Raum geben. Auch hier an der Klingelbacher Krippe zusammen mit vielen Unterstützern. Und das Krippeln lässt uns ahnen, dass hinter allem eine tiefe Wirklichkeit steht, dass es einen Mehrwert des Lebens gibt, eine bessere Welt, als wir sie Tag für Tag um uns erleben.

Wir brauchen gar  nicht an Aleppo und Syrien, an Äthiopien, Eritrea oder an Afghanistan zu denken. Es reicht, wenn wir uns die Schicksale hier bei uns in unserem eigenen Land anschauen, in Gerichtsprozessen, in den politischen Diskursen oder aktuell die schnöde Tat auf einem  Weihnachtsmarkt  in Berlin. Mehr denn je haben wir Sehnsucht nach dem Boten, der Frieden ankündigt und Rettung verheißt. Frieden und Rettung von einem anderen,  weil wir selbst diese nicht zu schaffen vermögen.

Wir wissen alle, dass wir in Deutschland und in ganz Westeuropa über unsere Verhältnisse leben – auf Kosten kommender Generationen. Uns allen ist klar, dass wir uns einschränken und sparen müssen. Wir gehen aber davon aus, dass dies die anderen tun sollen. Werden wir immer mehr zu einer Ellenbogengesellschaft, eine Gesellschaft des Egoismus und der sozialen Kälte? Spaltet sich die Gesellschaft in unserem – immer noch - reichen Land immer mehr auf in Reiche und Arme? Wird unser Land immer kälter?

Wir feiern Weihnachten im Winter. In der Kälte und Dunkelheit leuchtet das Licht aus dem Stall. Mitten in unserer Nacht kommt Gott. Er kommt als Kind, wird Mensch. Gott ist das Leben und Leid der Menschen nicht egal. Er selbst begibt sich in Jesus Christus ganz und gar hinein in unsere Welt als einer von uns. Er teilt alles mit uns, leidet mit uns und für uns, stirbt unseren Tod. Schon die Krippe gibt den Blick frei auf das Kreuz.

Gott wird Mensch. Er begegnet uns in Augenhöhe. Er macht es wie wir Menschen. Wenn eine Oma, eine Mutter oder Vater mit ihrem Enkel oder ihrem Kind spielen, dann bleiben sie nicht aufrecht stehen und schauen von oben herab zu. Sie gehen in die Knie, in Augenhöhe mit dem Kind. Und sie probieren und üben Laute und Wörter, die das Kind versteht. Sie gehen in die Knie, um ihm in die Augen zu schauen; sie werden klein, damit das Kind ganz groß wird. – So macht es Gott mit uns. Macht oder Allmacht,  Erhabenheit oder Arroganz sind für ihn nicht alles. Er lebt das Leben aus unserer Perspektive – so, wie wir unsere Krippe bauen. Weihnachten führt uns vor Augen: Gott macht diesen Kniefall, lässt sich auf unsere Situation ein. Gott kommt als Kind. Als Kind ist er uns so nahe geworden, dass wir einfach Du zu ihm sagen, mit ihm einfach und direkt zum kindlichen Herzen auf Du stehen können. Und das Kind kommt ohne Waffen, es will nicht von außen erobern sondern uns  von innen her umwandeln. Wie oft genug versucht durch meinen lebensfrohen Enkel Valentino. Gedanken,  die in den letzten Wochen beim Bauen stets präsent waren:  keine Gewalt, kein Egoismus, keine Habgier keine Kälte. ER hat die Rolle im schutzlosen Kind angenommen, um uns so zu besiegen und zu uns selbst zu führen. Seine Sehnsucht ist der Mensch, er geht den Weg des Kindes. Das uns ins Herz spricht und unser Herz bewegt.

Was wir Menschen uns ersehnen, ist für Gott eine Herzensangelegenheit. Gott ist zu uns gekommen, nicht, um uns etwa wieder zu verlassen – auch wenn wir oft Gott verlassen handeln. Nein, er ist zu uns gekommen, weil er mit uns leben – unser ganz konkretes Leben mit uns teilen will. Er gibt uns eine Zukunft. Die leise und klare  Sprache des Kindes und die schlichte Sprache der Krippe lassen uns mehr ahnen und begreifen, als große Worte ausdrücken können.

Wir haben allen Grund, mit den Hirten zur Krippe zu gehen, um das Kind zu finden. Dies ist im Leben der große und entscheidende Aufbruch, der uns zur Wanderschaft auf das Ziel hin einlädt. Denn das Kind in der Krippe ist unsere Zukunft.

Auch der schönste und spannendste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Den müssen wir selbst tun. Aus den Hirten sind keine Könige geworden und doch hat sich bei ihnen etwas getan, wie bei den Menschen, die dem Leben auf die Spur gekommen sind – in dem neugeborenen Kind. Gott schenkt uns allen einen neuen Anfang in seiner Gnade. Wir sind nicht am Ende, weder in unserem Land oder in der Welt, noch mit der Kirche, auch nicht mit unserem Krippen bauen oder mit uns selbst, mit niemandem. 

Ich wollte einfach erzählen, was ich in diesen Tagen und Wochen glaubend erlebte.  

Wolfgang Müller

Fotos der Krippe

 

Weihnachtskrippe 2015

Gloria in Excelsis Deo  -  Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden - so der Engel über unserer Krippe. Heute aber  klingt das noch fremder und noch hoffnungsvoller als in den Jahren zuvor.  Ein  anderer Advent, eine andere Weihnacht ? 

Wir packen unseren Stern wieder aus, um „es zu packen“. ...Christ, der Retter ist da ... in der stillen Nacht ... und stets brennend und hoffend ... auch in Kos und überall.

Im Advent, die Gedanken werden konzentrierter, es geht schon wieder auf Weihnachten zu. Vor einem Jahr das erwartungsvolle  Willkommen an die noch unbekannte Pfarrerin und ihre Familie. In diesem Jahr eine weitverbreitete Willkommenskultur an die große Schar der lebensbedrohten Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten, unweit dort, wo der Stern über Bethlehem uns den Weg zeigt  - in diesen Tagen überdeutlich. Und zu dem Geschehen in der uns wohltuenden Herberge mit dem Kind als Erlöser dieser Welt  kommen Bilder, die man anlässlich der realen Welt  im Herzen schwer aushält.

Menschen von dort sind aus Angst um ihr nacktes Leben  zuhauf aufgebrochen und suchen „ihre Verheißung“, sie suchen ihr Bethlehem, ihr Haus des Brotes, ihre schützende Herberge -  schon seit Jahren  und immer noch, offenbar nichts Neues in unserer infamen Welt dieser Tage.   
Unerträgliche innere Bilder  im Kopf  beim Krippe-Bauen. Von dem leblosen  Körper des „eingeschlafenen“ Aylan Kurdi (3) aus Syrien, von Barbaren in den Tod getrieben, angespült in den Wellen der Ägäis. Oder Zainab (4) und Hussain (6) vor der griechischen Insel Kos leblos vom Vater aus dem Wasser gezogen. Ertrunken inmitten einer Welt, in der  die menschliche Liebe des Nächsten dies verhindert! Gleichsam dort wahrzunehmen, wo zur vermeintlichen Rettung unser aller Wohlfahrt, hunderte Milliarden „geflutet“ werden  für die Welt des Konsums und der Finanzen. Alles börsentäglich registriert, bis auf die bedrohten Menschen, klein und groß, schwanger, krank und gebrechlich, traumatisiert, voller Lebenszuversicht auf ihren Routen der Hoffnung quer durch das „Homeland Europa“ mit zwölf goldenen Sternen in seinem Banner.
Stern über Bethlehem ... Sterne über Europa! Und doch heimatlos?              

Dennoch packen wir als Christen  wieder aus, unseren Stern und unsere Krippe der Hoffnung! Für den Frieden auf Erden. Er braucht Gottes Liebe und unsere Tatkraft, Hand in Hand.
So trafen sich zum diesjährigen Krippe-Transport  aus der Scheune in die Kirche die verschworenen Helfer Dirk, Norbert, Raimund, Emanuel, Yannick und Andreas mit dem starken Stapler, und zur Freude aller... auch Leon von den Konfis. Zuerst galt es  ein paar Zentner schwere „Stücke“ ganz behutsam  auf die Bretter der Weihnachtswelt zu hieven und dann eine Vielzahl von Kisten und Kartons mit weiteren kostbaren Materialien umzuziehen.                 

Ergänzende Naturprodukte lagen schon seit wenigen Wochen oder Tagen bereit -  auch die geologische Modelliermasse für ein geändertes Wüstenbild in unserem Morgenland.  Und dann ging es im achten Jahr wieder los, in vertrauter Kulisse zwar, aber mit  anderen Inspirationen zu diesem Thema, auch ermutigt und  gestärkt durch die „freudige Erwartung“ all unsrer Freunde und Besucher in Klingelbach vor Ort oder im www.kirche-klingelbach.de. Und  am Anfang schufen wir eine  neue Wüste mit Sand, vor allem mit Steinen und Felsen - so wie in den „echten“ Wüsten der heimatlosen Aramäer - zu Zeiten von  Jakob und Abraham.

Geboren wurde diese Idee auf unserem letzten Gemeindeausflug 2014  in den Stöffel-Park. Hier kamen  die über Jahrtausende alten Flussläufe entlang des Toten Meeres in den Sinn, grüne Täler und Schluchten;  als „Wadi“ bezeichnet gibt es viele dieser tektonischen Formationen  im Jordantal, von Galiläa bis nach Judäa; in den Fußstapfen Abrahams lässt sich dort unsere biblische Zeit mit seiner einmaligen Religionsgeschichte durchqueren.

Und  dazu ergänzend aus unserer Region, aber ein paar Millionen Jahre früher unter dem Westerwälder Stöffel-Basalt, die Erdgeschichte im blättrigen Gestein aus dem Tertiär. Mit der Krippe 2015 blättern wir also in zwei sich ergänzenden „Büchern über die Ewigkeit“ und erkennen, wie sich seit dem Urknall der Schöpfergeist weiter entwickelt hat. Die Spezies Mensch, die heute einmal mehr ertrinkt, und der Naturraum, der von uns geplündert und abgebaut wird.

Ehrfürchtig und mit tiefempfundenen Tränen meinte der Astronaut Alexander Gerst bei seinen Blicken aus dem Orbit: „Unsere Welt, umhüllt von einem dünnen Band aus fast Nichts, und doch Quelle unseres Lebens“. Das dünne Band der biblischen Hoffnung „Friede auf Erden“ vibriert als schöpferische Sehnsucht um unsere Welt - seither und jetzt an Weihnachten 2015.
Wir danken an dieser Stelle dem Stöffel-Team für ein paar Restkrümel aus der weltweit bedeutenden  Ausgrabungsstätte. Sollten wir noch Fossilien aus dieser Fuge der Erdgeschichte in unseren Steinen finden, so sind  sie  gut  beherbergt.     

7. Dezember 2015
Wolfgang Müller   

Fotos finden Sie im Fotoalbum. Es wird immer wieder durch aktuelle Fotos ergänzt. Krippe 2015
Den Text können Sie hier ausdrucken.

 

Herberge und Frieden 2014

Herberge und Frieden auf Erden, aber wo bitte ...  unter kosmischen Rendezvous  - 2014  -  O, du gnadenreiche Zeit!

Wo ist das wahre Ziel ... im Stall bei der der Heiligen Familie, die aber schon  bald nach der Geburt Jesu in ein anderes Land flüchten mussten ... so, wie Millionen heute. Anklopfen, wie zwei arme Leut, die abgewiesen werden in die Kälte der Welt, dorthin, wo man zu anderen Sternen unterwegs ist. Knapp am Mars vorbei, gelandet auf einem Kometennebel - nicht auf dem Stern von Bethlehem, wo noch immer Gewalt herrscht. Vielmehr hat uns Gott  einmal mehr mit den Augen von Astronaut Gerst in der Raumstation gezeigt, wie man in kosmischen Dimensionen den „zerbrechlichen“ Frieden auf Erden ahnen könnte. Jeder fünfte in Deutschland ist angeblich von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen, weil Geld, Auto oder Heizung fehlt; und noch schlimmer jenseits der sogenannten Sozialstandards, wo viele tausend Flüchtlinge  mit ihrem Schicksal  um Herberge kämpfen.  - Beim harmlosen Krippenbauen haben wir allerdings dazu einen Grundinstinkt stets empfinden können, dass nämlich ein leerer Stall, eine leere Krippe für alle eine hoffnungslose, eine leblose  Szenerie  ist ohne das Gefühl und Geschenk eines fröhlich springenden Herzens, weil der Nächste  auch eine Lebensperspektive hat. Vielleicht muss man das Krippenbauen neu lernen in dieser Zeit des Anklopfens mit der einzigen Sehnsucht: Lasst uns und unsere Kinder als Menschen leben! „Nach Hause kommen, das ist es, was das Kind von Bethlehem allen schenken will, die weinen, wachen und wandern auf dieser Erde." (Friedrich von Bodelschwingh) Das Werk von Weihnachten beginnt erst dann, wenn der Gesang der Engel verstummt, wenn der Stern am Himmel untergegangen ist, wenn die Könige heimgekehrt und  die Hirten mit ihrer Herde fortgezogen sind. Dann gilt es im Alltag  die Verlorenen  finden, die Zerbrochenen  heilen, den Flüchtlingen eine würdige Bleibe geben, die Unterdrückten aufrichten und den Menschen Frieden  bringen.    Auch unseren Wunschzettel haben wir an der Weihnachtskrippe ausgelegt  mit der frohen Botschaft aus Klingelbach an unsere neue Pfarrvikarin: Herzlich Willkommen Frau  Dr. Anneke Peereboom. Ihr Kommen nährt unsere Seelen und bringt Gott zum Lachen ... über alle Pläne.   Auch für sie, noch in der Ferne, immer ein Lichtlein mehr durch die dunklen Stunden ... von Dirk Othegraven ...  all überall  in Krippe und Kirche bereit, leuchtet so langsam in die Weihnachtszeit. Schenke mit Geist ohne List, sei eingedenk, dass dein Geschenk du selber bist (Joachim Ringelnatz). Liebe Brigitte Winkenbach,  Du hast unsere schönen Bilder und Texte mit großer Hingabe nun endlich an das Licht der Welt gebracht. Wir und die Welt sagen Dir dafür von Herzen Danke.    Die Krippe wünscht allen eine gesegnete Weihnachtszeit.  Klingelbach, 21. Dezember 2014 Wolfgang Müller

 

Weihnoochdszeit ... 2011-2013

Weihnoochdszeit ... Kripp und Kräiz is iwwerall - 2011-2013

Das frohe Warten an der Krippe hält auch andere Konturen bereit. Schon an der Krippe liegen ahnungsvoll die am nahen Friedenskreuz eingesammelten Holzspäne. Und hinten im Stall, hinter dem Gottes- und Zimmermannsohn lagern die Kreuzbalken aus demselben Holz. Symbole des dornenreichen Weges durch das Kreuz hindurch zum erlösenden Leben.
„Oh Jesulein zart“ zieht uns im weihnachtlichen Licht in seinen Bann und vermittelt ein Gefühl von Wärme und Geborgenheit, eine Sehnsucht inmitten unseres Lebens. Leuchtende Kinderaugen vor der Weihnachtskrippe und dem Christbaum am Heiligen Abend, geschmückte Straßen und Weihnachtsmärkte - alle sind voller Erwartungen. Schon ein Krankenbesuch oder die Begegnung mit einem älteren Menschen kann uns erfahren lassen, wie groß der Wunsch nach Heilung oder nach rüstigem Leben in uns steckt, wie wir uns nach einer besseren Welt sehnen.
Hier an der Krippe gibt es dazu keine Patentrezepte. Doch es ist ein wunderbarer Ort der stillen und ruhenden Besinnung und Begegnung mit Gott, hier kann man nachdenklich in sein eigenes Leben eintauchen und Frieden und Rettung suchen. Das Credo unseres Glaubens lautet ja: Gott liebt uns, seine Sehnsucht ist der Mensch. Frieden und Rettung kommt von ihm, weil wir selbst das nicht zu schaffen vermögen. „Gott wird Mensch, dir Mensch zu Gute“ (EG 36).
Deshalb mit den Hirten zur Krippe, um das Kind zu finden, um fröhlich zu singen, Christus ist geboren, unser Erlöser - er lebt! Das ist der große und entscheidende Aufbruch, der zur Wanderschaft in den Stall einlädt. „Der Unendliche hat sich klein gemacht. Er ist ein Kind geworden, ein Sterbender am Kreuz. Da lässt er sich finden von dem, der staunen kann. Das Endliche wird durchscheinend" (Ephraem der Syrer). Das Kind in der Krippe ist unsere Zukunft. Sein Weg geht und erleidet Christus in liebevoller Hingabe für uns.
Betrübt nahm die Weihnachtskrippe Anfang 2014 Abschied von einem ihrer langjährigen Protagonisten, der seine innere Einkehr oft dort suchte - und fand! Alle 22 Kreaturen verneigten sich in ihrem Stelldichein dankbar vor Pfarrer Jürgen Wieczorek, der mit dieser Krippe verbunden ist. Wir danken ihm von Herzen und wünschen ihm allzeit ein tröstliches „Frieden auf Erden“ aus dieser segensreichen Zeit.

Klingelbach, 22. Januar 2014
Wolfgang Müller

Wieder Advent 2010

Wieder Advent - 2010 - frohe Zeit des Krippenbauens, eine Zeit ...

... in der Gott ankommt. Als Christen wissen wir es, Gott ist angekommen auf der Erde, in Jesus Christus. Darum gib’s Weihnachten. Nach mühseliger Herbergssuche findet ER seinen Platz in einem Stall bei Bethlehem am Rande des großen römischen Reiches. Gott macht sich klein in der lauten Weltöffentlichkeit, keiner nimmt zunächst von ihm Notiz. Verkannt, verletzlich, unscheinbar. So wie hier „en de Kripp“ im hintersten Winkel von Klingelbach. Doch sein liebevoller Blick aus der Krippe im ganz persönlichen Gegenüber tut gut. Denn es lässt sich erahnen, dass der kleine Gottessohn durch eine bedingungslose Liebe getragen wird, von Gott und seinen Nächsten. Auch wenn schon von Anfang an sein persönliches Kreuz im Hintergrund erkennbar ist. Als Gottessohn schon früh verfolgt, wird er ein Opfer von Hass und Gewalt.
Doch sein liebevoller Blick gibt Kraft, lässt in uns etwas lebendig werden und ermutigt uns zum Glauben, auf die Menschen zuzugehen. Dort, wo sie warten oder nicht verstanden werden, wo sie in Not unser Zuhören und unsere Hilfe brauchen. Im Kind zu Bethlehem oder zu Klingelbach will die Menschenliebe Gottes zu uns allen Menschen kommen.
Ja, es ist ein Geheimnis, in der Meditation des Krippenbauens ist man innerlich unterwegs. Eine wertvolle Zeit für uns alle. In der Stille kann man hier einige USB-Buchsen für unsere Lebenskabel finden. Aus nachhaltigen Erinnerungen. Auch jene Erzählungen der kriegsbeteiligten Väter zum Weihnachtsfrieden an der Front, damals ein seelischer Rettungsanker im Grauen, ohne verächtlich zu sein. Oder eigene Bilder aus den Elendsvierteln dieser Welt. „Welt ging verloren, Christ ist geboren, freue dich, o Christenheit ...“.
Deshalb sind wir als Christen einmal mehr aufgerufen, stets empfindsam zu sein für einen neuen Himmel und eine neue Erde von Gott. Und man grübelt und fragt sich: Wir formen hier in der Stille den Wüstensand, richten den zugigen Stall oder das mühselige Hirtenleben und parallel steigen die realen Bilder unserer Tage in unsre Sinne. Keine Harmonieseligkeit, weiß Gott - nein. Mich tröstet indes, dass zumeist Christen mit ihrer Nächstenliebe maßgeblich die Welt veränderten, denn wir haben noch Zukunft bei Gott vor uns. Es ist gesorgt für uns.

Klingelbach, 5. Januar 2011
Wolfgang Müller

Der Anfang 2007 - 2009

Irgendwann fängt es an mit der Krippe Aus meiner frühen Kinderzeit ist mir die große Transparent-Krippe auf dem Altar noch in guter Erinnerung. Hier stand ich jedes Jahr, fühlte mich angesprochen  und schaute gebannt auf die Bilder der Weihnachtsgeschichte.  Gut ein Meter hoch war das Krippenbild mit der heiligen Familie, mit Engeln, Hirten und mit Schafen, verteilt  auf einem dreiflügeligen Transparent in einem schwarzen Rahmen: der große Bogen in der Mitte beherbergte das Christuskind, umgeben von Maria und Josef im Stall und zeigte den Stern am nächtlichen Himmel, auf den kleineren Bögen rechts und links waren  die verkündenden Engel und die anbetenden Hirten zu sehen. Mich faszinierten  immer die Beleuchtung und das Licht, das von dort ausging. Auch wenn es nur drei Kerzen als Lichtquelle hinter der geheimnisvollen  Kulisse für  die transparenten Farbbilder waren, strahlte im Mittelpunkt das Kind in der Krippe. Mit seinem  hellen Schein zog es alle Blicke unmittelbar auf sich, während die übrigen  Bilder überwiegend in einem dunklen Kontrast blieben. Diese Eindrücke von damals traten nun immer wieder stärker und vollkommener in mein Bewusstsein, auch die wunderbaren Erinnerungen an die Weihnachtsgottesdienste (damals regelmäßig  am Abend des ersten Weihnachtstags), die mit allen Registern, Posaunen und frohen Stimmen von groß und klein im Glanz der Kerzen an zwei Weihnachtsbäumen klangvoll gefeiert wurden. Und  diese vertrauten Gedanken  begleiteten mich  bei der Gestaltung der neuen Krippe. Die Transparent-Krippe gibt es schon lange nicht mehr (wo ist sie wohl?). In den letzten Jahren schmückte eine  ausgeliehene kleine Krippe unseren Altar. Das Heute aber wurde in mir entfacht, als ich 2007 im Kirchenvorstand erstmals dem Thema Krippe begegnete. Von da an begann für mich das eher kindliche Kribbeln - zunächst im Kopf. Aber  daraus entwickelte sich dann ein entschlossenes „Krippeln“ - bis heute.

Im Oktober 2007 wurde ein Krippenausschuss mit der Aufgabe betraut, Ideen und Vorschläge für eigene Krippenfiguren zu machen. Dabei sollte aufmerksam der Stil des Bauernbarock  in unserer Kirche beachtet werden, um nicht später im Gesamtbild einem empfindlichen Stilbruch zu erliegen. Die Recherchen dazu führten bis zum Würzburger Lehrstuhl für Ethnologie.  Mittels unterschiedlich großer modellhafter Puppen wurde geklärt, dass für unsere großräumige Kirche nur größere Figuren in Frage kommen konnten.

Und ab Sommer 2008 begann die Suche nach „der“  Krippe für Klingelbach, auch weltweit im Internet; die ersten Vorschläge gab es im Oktober. Doch die Zeit für ein solches Vorhaben schien offenbar noch nicht reif. Man zog  nochmals  eine Bedenkzeit von etwa zwei Jahren ins Kalkül einer Krippe.  Doch in der  Advents- und Weihnachtszeit 2008 zog es meine Frau und mich zum  Krippenlaufen, und wir besuchten in dieser Zeit über 700 Krippen-Varianten zur Abrundung unseres eigenen Bildes. Dabei  begegneten wir lebensgroßen Figuren ebenso wie der Sanella-Krippe en miniature. Und als Ergebnis aus dem bilderreichen Bogen weltweiter Versionen gab es dann schon im März - im Anblick einer als Mustervorstellung herangeeilten Heiligen Familie - den Beschluss des Kirchenvorstands,  eine Krippe nach diesen erlebten Vorbildern zu konfigurieren und über die nächsten Jahre stetig und vertraut wachsen zu lassen.

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg ... führ uns zum Kind

Endlich - die Umsetzung begann! Das Wunschziel war eine Krippe mit einem landschaftlichen Umfeld, die über Jahre weiter zu entwickeln und immer wieder (verändert) aufgebaut werden soll,  und so auch künftigen Generationen ein weihnachtliches Ziel bietet, wo sich Kinder und Erwachsene zusammen finden. Dazu waren zunächst der konkrete Standort der Krippe und die Größe  im Endausbau zu erörtern.  Maßstabstreue Skizzen über Bestand und „Neubau“, Sammeln von Einzelideen, gedankliches Simulieren an und mit anderen Krippenbildern, Varianten an Unterkünften, Landschaften, Botanik sowie Figuren und Szenen reihten sich aneinander. Und jetzt fing es in den Beteiligten zunehmend immer stärker  an zu „krippeln“. Und zwei Festlegungen galt es nun für alle Aktivitäten zu beachten: erstens die Krippe sollte bereits an Heiligabend 2009  erstmals im weihnachtlichen Geschehen mitwirken und zweitens war die 48er Größe für die Figurenwelt die ausgewählte Größe (gemessen an Josef) für unsere Kirche. Und noch eine Verabredung galt: Die Krippe sollte ganz in Ruhe entstehen können!

Im Spätsommer bereits hatte Klaus Biehl die Ausgangswurzel gefunden und legte auf seinem Hof im Stillen schon einmal los. Ende September war der Rohbau fertig - und siehe da, er war schön und  beeindruckend und sehr groß geworden. Relationen und Maßstäbe mussten nun schrittweise aufeinander angeglichen werden ohne den gelungenen ersten Wurf zu verbiegen; der Natur gleichsam suchten alle nach dem goldenen Schnitt für ein harmonisches Gesamtwerk an der ausgewählten Stelle in der Kirche. Und es gelang - wie man es heute sehen kann.

Die zweite Werkstatt für das Objekt war dann der Sonnenhof, wo bei Ludwig Schönberger das  Untergerüst und die Plattform über das ganze Chorgestühl passgenau gezimmert wurden. Eine Konstruktion, die über eine lange Zeit die Krippe verlässlich tragen soll.
Abermals wurde Ende Oktober in der Kirche der Rohbau aufgebaut und unter allen Aspekten die Details wiederholt abgestimmt, bevor es dann  in das  Atelier für die Krippenlandschaft und die dazugehörige Botanik ging. In drei Segmenten zerlegt ging es mit der blanken Platte und dem Korpus in die Krippenwerkstatt (beim alten Stellmacher Robert Seelbach). Hier sollten Profile- und  Reliefarbeiten im  Endausbau erfolgen. Erneut wurde alternativ    skizziert, wie das Landschaftbild naturnah und lebendig gestaltet werden kann. Und in diesen Wochen war das schöpferische Modellieren  mehrmals ein sehr kritisches Beginnen, Verwerfen, Umgestalten und Vollenden in teils minimalen Schritten.

Immer wieder waren bei den Einzelbildern die unterschiedlichen Größenverhältnisse die  unbekannten Variablen. Bald waren in den Gesamtrelationen der Bachlauf zu flach oder zu breit, die Brücke zu klein, die Sitzbank zu tief, die Öffnung des Stalls immer noch  zu groß. Über Nacht gar  gefror in der Werkstatt im Eimer das eingeweichte Peddigrohr  und unterbrach damit die aufwendigen Arbeiten am Hinterwandgeflecht. Und das Wetter konnte man überhaupt  nicht aus den Augen verlieren, mussten doch zwischendurch unter freiem Himmel noch viele landschaftstypische  Dinge  besorgt werden.

Stern über Bethlehem, dieser arme Stall birgt doch so viel Und unser Stern von Bethlehem wurde im letzten Augenblick in Wien in einer Sondergröße geschnitzt, damit er so - alle Bilder überschweifend - besser zu dem Gesamtensemble passt. Inzwischen aber zeigt er uns - ins rechte Licht gerückt - einmal mehr mit seinem weit sichtbaren Schatten den richtigen Weg.

Gehölz und Moos, Steine und Fels, Sand und Schotter, Laub und Früchte, Flechten und Gewächs aus der Nähe von Roth, Herold und Ebertshausen, und ebenso von weit her aus dem Oberallgäu und dem Oberwallis -  sowie aus der Kulisse  einer verfallenen Mühle am Dörsbach. Oft wagten sich unter trautem Lichtschein kleine Käfer und andere Winzlinge aus ihrem Winterschlaf im Moos und unter der Rinde heraus auf die biblische Bühne. Ein kleines Schneckenbaby mit ausgefahrenen Fühlern überquerte so  eines Morgens die Brücke und machte sich schon früh auf den Weg nach Bethlehem. Und in der Kirche gesellten sich beim Aufbaufinale gleich viele kribbelige Marienkäfer dazu.

Am letzten Adventssonntag ging es dann gleich nach dem Gottesdienst an den Aufbau in der Kirche. Die restlichen Tage  waren knapp geworden, alle Teile mussten jetzt hier zusammengeführt werden. Und draußen meldete sich mit heftigem Schneefall und eisigem Wind der Winter an, während  in der Kirche  sich viele Helfer an die neue Krippe machten. Noch eine letzte „Adventsvesper“ für das leibliche Wohl, denn danach wurden die vorgerichteten schweren Teile  zusammengefügt. Und nun begann  die spannende Detailarbeit, die Ideen und Bilder im Kopf  mussten jetzt in eine lebende Landschaft  transformiert werden.

Begeisternd und in einer frohen vorweihnachtlichen Stimmung staunte einer über den anderen, wie sich der kleine Jesus so ins Bild rücken ließ. Raimund - überall kompetent zur Hand, ob am Profilaufbau oder am Stall, Carolin und Linda -  deckten akribisch das Dach und „putzten“ die Krippenhöhle von außen. Dirk zauberte das Licht herbei, um so auch die ausdrucksvoll geschnitzten  Gesichter und Hände, Falten und Konturen der kolorierten Figuren sichtbar zu machen. Und Monika und ich kümmerten uns stets um die Gesamtgestaltung  und waren  für die naturnahen Flächen mit ihren Gewächsen, und auch für die Christrose zur Heiligen Nacht gefragt.

Stern über Bethlehem ... wir sind am Ziel Ein gemeinsames Kunstwerk entstand zur wachsenden Freude aller. Längst war die Krippe  im Vorfeld  eine  Stätte ansteckender Begegnung geworden. Jeder spürte in jenen Tagen und Wochen seine individuelle Leidenschaft und Verbundenheit in diesem geheimnisvollen Wirken um eine liebevolle Gestaltung dieses neuen Mittelpunktes in unserer Kirche. Und vieles davon bleibt  noch zu erzählen.

Einzelheiten zu dem Baugeschehen
Es handelt sich um eine kolorierte Kostner-Sammelkrippe; sie passt nach Stil und Farbe am ehesten zum Innenbild unserer Kirche. Die Figuren sind aus Lindenholz geschnitzt. Sie stammen vom Grödner Holzschnitzer  Atelier Peter Staffler in Wien (künstlerische Holzschnitzerei seit 1596).
Das derzeitige Krippenbild umfasst die heilige Familie, den Stern mit Gloriaengel, die Hirtin mit Bub, ein Schaf  äsend und ein Lamm liegend.

 

Das Krippenbild soll in den kommenden Jahren erweitert werden - Euer Herz erschrecke nicht - neben Ochs und Esel gibt es von den Künstlern eine Auswahl von insgesamt 120 Figuren.
In den folgenden Jahren  wird die  Krippe schon  zu Beginn der Adventszeit aufgebaut, um das „Geheimnis mit zu erleben“;  das Krippenbild wird sich danach  bis Epiphanias entsprechend dem Verlauf der Weihnachtsgeschichte  verändern.

Rund um die Krippe haben mitgewirkt
Klaus Biehl, Fabian Fischer, Raimund Theis, Anneliese Greuling, Ludwig Schönberger, Dirk Othegraven, Carolin und Linda Richter, Monika und Wolfgang Müller.
Zu danken ist der Familie Ulrich Weis (Salzer/Seelbach) für die großzügige Herberge in Werkstatt und Scheune. Die Erbauer haben erfahren, dass Bauen etwas Schönes ist. Aus den Steinen und in der Natur, die Gott uns an oder in den Weg gelegt hat, muss man erkennen lernen, dass man etwas Schönes bauen kann. Was können wir anderes sagen, als Danke an das Kind in der Krippe, das alle so reich beschenkt! Wir danken  für die Ermutigung und Aufmunterung,  für die aufgeschlossene Unterschützung und die umfassende Hilfe von vielen Seiten. Und wir freuen uns, dass die ganze Kirchengemeinde ihre Weihnachtskrippe so herzlich aufgenommen hat.

Stern über Bethlehem ... was uns froh macht, teilen wir aus Wir wünschen allen, die guten Krippen willens sind, dass sie immer wieder an die Klingelbacher Krippe heran treten, dort neue Kraft schöpfen und sie auch damit freundlich unterstützen und begleiten.
Dafür danken wir am Ende unseres gemeinsamen Schaffens und sichern  weiterhin unsere Hingabe zu. Wer sich über Dinge erregt, die ihm ganz unver-ständlich erscheinen, sollte an das Wort von David Ben Gurion (Staatsgründer von Israel)  denken: Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist. Klingelbach, 2. Januar 2010
Wolfgang Müller

Genießen Sie nun die Fotos unserer Krippe